REISE-AUSRUSTUNGEN
GLOBETRTT-ZENTRlALE TESCH
Montag, 5. April 1993
Auf "heißen Ofen" um die Welt
300 Globetrotter in Monschau - Bunte Reise-Erlebnisse ausgetauscht
Monshau. _ Eines der weltweit gröbten Treefon fur Motorrad-Fernreisende fand am Wochenende in Moschau statt. Rund 300 Reiseerfahrene und Reiswillige folgten der Einladung von Brend Tesch aus Aachen zum CampingPlatz Perlenau , um Erfahrungen auszutauschen und um über ihre Extremtouren zu berichten. . Und sie kamen aus allen Teilen Europas und aus Amerika zu ihrem "Globetrotter- Papa".
Ein Iglu-Zelt neben dem anderen und jede Menge Motorräder "pflasterten" dle Wiese des CampIgplatzes. Zum Zelten ist es eigentlich noch ein bißchen kuhl, mochte man meinen, doch diese Camper sind schon einiges gewöhnt. Sie haben zwischen Sibirien und der Sahara, zwischen Australien und Amerika schon überall ihre Zelte aufgeschlagen. Oder sie planen gerade eine welte Reise und möchten sich von ~alten Hasen« beraten lassen.
So hat ein junger Mann vor, nach Beendigung seiner vierjährigen Militarzeit mit dem Motorrad nach Kapstat zu fahren. Er möchte die West-Route durch Afrika wählen. Ein junges Ehepaar aus Österrelch ist die Strecke schon zweimal gefahren. Zuletzt waren sie eineinhaib Jahre unterwegs. Sie ist eine von vier Frauen, die auf der eigenen Maschine am südiichen Zipfel Aftikas angekommen sind. Als ihn das Reisefleber packte, hängte er seinen Beruf (Ingenieur) an den Nagel, hatte aber nach der Heimkehr das Glück von seiner alten Firma wieder eingestellt zu werden. "Vid Geld braucht man fur die Reise nicht. Das großte Problem sind die politischen Unruhen in Afrika. Dadurch ist man ständig gezwungen, einen Zick-Zack-Kurs zu fahren." Auch wertvolle Informationen über das Klima kann er an seinen jüngeren Nachfolger weitergeben.
"Solo around the world" reiste David Parkinson auf seiner BMW R 80 G/S. In fünf Jahren legte der Engländer 160 000 Kilometer zuruick und fuhr durch 55 Staaten. Er hat seine Reise, die eine der langsten Weltumrundungen auf dem Zweirad ist, nach dem Wetter geplant. In ehem Dia-Vortrag im Sporthotel Prummer stellite er seine Eindrücke vor. Weitere Dia-Vorträge über Afrika-Durchquerungen, Atlantik-Transrußland-Wiadiwostock- und Holland-Iran-Australien Fahrten gaben Eindrücke von den zahlreichen Erbbnissen dieser Individualistendl die ganz unabhangig von ihrem Alter jung bleiben. Das beste Beispiel dafur ist der Amerikaner Norman Mac Elro. Er kam eigens von Michaigan nach Monschau und hat wie auch Bernd Tesch eine Reise nach Wladiwostok auf dem Motorrad hinter sich - obwohl er nicht mehr der Jungste ist.
Drei von 300 Weltenbummbm, die sich am Wochenende in'Monschau zum Erfahrungsausttausch trafen: David Parkinson (links) umrundete mit der abgebildeten BMW die Welt mit 160 000 Kilometern. Bemd Tesch aus Aachen (mitte), der das 15. Treffen dieser Art organisierte, fuhr mit dem Amerikaner Norman Mac Elroy (rechts) bis nach Wladiwostok.
Foto: S. H0lmorschniclt~
Es ist wohl deutlich geworden, daß es sich bei diesen Motorradfahrern nicht um die schwarzen Gestalten handelt, die im Sommer mit ihren "heißen Öfen" die Straßen der Eifel unsicher machen. Sie sind vielmehr naturverbundene Individualisten, die alleine oder in kleinen Gruppen das Abenteuer suchen.
Bernd Tesch, der dieses Treffen zum 15ten Mal organisiert hat, zählt selber seit 20 Jahren zu den Globetrottern und hat auf sehen Reisen und durch seinen Beruf schon rund 10 000 Fernreisende kennengelemt. Er unterhält in Aachen eine Globetrott-Zentrale, in der er die Reise Ausrüstungen anbietet. Hier werden Kontakte geknüpft und Tips weitergegeben. Seine eigenen Erfahrungen und die anderer hat Bemd Tesch in seinem Buch "Motorrad Abenteuer Touren", eine "spannend zu lesende Eroberung der Welt mit dem Motorrad", festgehalten.
Am Wochenende war er stets dort zu finden, wo sich die meisten Leute knubbelten. Umringt von Journalisten der Motorrad-Zitschriften, von Freunden, die von ihren Reisen erzählen wollten und von anderen, die ihn mit endlosen Fragen bestürmten, stand er inden unterschiedichsten Sprachen Rede und Antwort. Hatte er die Anschtskarte von Klaus vor gut einem Jahr bekommen? Dies war wohl eine der schwierigsten Fragen, denn aus allen Teilen der Welt treffen unzählige Ansichtskarten bei ihm eln, alle werden gesammelt, geordnet und nach Möglichkeit beantwortet. "Diese Karten nehm lch mal mlt ins Grab," erzählte der Globetrotter-Papa stolz.
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