EWRIN THOMA REPORTS ON HIS MOTORCYCLE TRIP IN SOUTH AMERICA

From: Erwin Thoma

To:  tynda

Subject:  Hola from Erwin in Chile

Date:  Sat, 25 Nov 2000 14:53:36Reply Reply All Forward Delete Previous Next Close

Hola Amigas y Amigos,

nachdem ich wiederholt mahnungen bezueglich meiner ausbleibenden mails

erhalten habe, weiss ich zumindest, dass meine berichte gelesen und von einigen sogar erwartet werden.

bin gerade in Santiago de Chile und lasse es mir gutgehen. als ich fluchend bei einem motorradhaendler eine passende batterie fuer die BMW gesucht habe; (ich habe uebrigens nicht wegen der maroden batterie, sondern wegen des preises dafuer beim lokalen BMW haendler geflucht - 300 DM wollte er haben) muss ich so mitleiderregend ausgesehen haben, dass mich ein vorbeifahrender Yamahafahrer mitgenommen hat. jetzt verbringe ich die 3te nacht in seinem wochenendhaus. reisen ist klasse. nie weiss man, was der tag bringen wird und meist sind es positive ueberraschungen. wieder einmal habe ich unwahrscheinliches glueck. erwin, der Yamahafahrer, und seine familie sind sehr nett und ich geniesse die annehmlichkeiten eines hauses, zelebrierte

eine weisswurst-mahlzeit und kann deutsch sprechen, da die familie in

muenchen gelebt hat.

ein richtiges bett hatte ich selten in letzter zeit. ich bin durch das

teuere argentinien (genauer durch den nordwesten) gefahren und habe meist wild gezeltet. die preise dort entsprechen deutschem niveau und sind fuer mein budget astronomisch hoch. war aber eine klasse fahrt. eine mischung aus wueste, hochebene, bay. berglandschaft und den tropen. bin allerdings froh, dass die batterie nicht in der wueste den geist aufgegeben hat, waere sehr unangenehm gewesen.

vorher war ich noch einige tage in Chile, in San Pedro de Atakama, um

mich von den Strapazen der tour in Bolivien zu erholen.

aber der reihe nach. von Panama ging es nach Kolumbien - wow, ich habe

wirklich lange nicht geschrieben.

um es kurz zu machen - Kolumbien war klasse. ich bin von einer familie in Bogota eingeladen worden und habe einige tage bei ihnen verbracht. meine gastgeber haben mich zwar staendig vor den gefahren gewarnt, doch ich hatte nicht das gefuehl, dass Bogota gefaehrlicher ist als Mexiko Stadt oder San Jose. ich weiss nicht, ob es in Kolumbien wirklich so ungefaehrlich ist, wie ich den eindruck hatte. doch ich wurde immer sehr freundlich aufgenommen und habe ausschliesslich gute erfahrungen gemacht. allerdings bin ich nicht in die gefaehrlichen gebiete gefahren, bin nur am tag gereist, habe nicht wild gezeltet und bin auf den grossen strassen geblieben. ich kann Kolumbien als urlaubsland auf alle faelle empfehlen.

bei der einreise nach Ecuador hatte ich dann probleme. vom zoll bekam ich nur eine aufenthaltsdauer von 14 tagen genehmigt. ich haette allerdings auch 2.000 US $ hinterlegen und 3 monate im land bleiben koennen. da ich nach Peru ausreisen wollte, war mir das aber zu heiss (ich war mir nicht sicher, ob ich die kohle bei der ausreise wirklich zureuckbekomen wuerde) und ich bin relativ flott durchgefahren. musste sowieso kilometer machen, um rechtzeitig zur langzeitreisenden silvesterparty in Feuerland zu sein. auch in Ecuador ging es meist durch eine schoene berglandschaft. leider habe ich weder die kueste noch die dschungelgebiete besuchen koennen. macht nichts, ich hoffe, dass ich als reisebegleiter noch einmal dorthin komme und mir dann auch Galapagos anschauen kann.

mit gemischten gefuehlen ging es dann nach Peru. vielen touris hat es dort nicht gefallen. sie fuehlten sich zu oft uebers ohr gehauen und empfanden die peruaner als unfreundlich. ich empfand Peru allerdings als sehr angenehm. nette leute und eine atemberaubende landschaft. bin zuerst durch die wueste im Norden (asphaltstrasse) und dann in die berge gefahren. sah riesige sandduenen und wenige stunden spaeter war ich auf ueber 3.000 meter - klasse.

in Lima hatte ich einen laengeren aufenthalt, weil ich dort einen

neuen satz reifen in empfang nehmen konnte. dauerte etwas, doch die

Continental TKC 80 sind es wert, dass man auf sie wartet. sie haben mir schon oft aus schwierigen situationen geholfen und ohne sie haette ich den tiefsand in Bolivien nicht gemeistert. die aktion beim zoll war allerdings ein drama, doch das team von Continental in Hannover, Andres von BMW in Bogota und der lokale BMW Haendler (nochmals danke, Alexander) haben mir sehr geholfen.

Hoehepunkte waren die berglandschaft, der Titikakasee und Cusco. in Cusco bin ich 2 wochen geblieben und dann zum Titikakasee weitergefahren. in Cusco habe ich supernette Israelis getroffen und die meiste zeit mit ihnen verbracht. natuerlich war ich auch in Machu Picchu, im hl. Tal und habe mir die anderen sehenswuerdigkeiten angeschaut. der hammer war der Inka trail. kleine peruaner schleppen das enorme gepaeck der touristen, bauen zwischen den bergen luxurioese zeltlager auf , decken festtafeln fuer das mittagessen und die touris kommen kaum ohne gepaeck die berge hoch. da bin ich trotz meines biblischen alters noch gut in schuss.

am Titikakasee streikte dann die BMW. die wenig sorgfaeltig verlegten zuege von kupplung und choke hatten ein Kabel durchgescheuert. nach einigen stunden hatte ich den wackelkontakt jedoch gefunden und konnte eine notreparatur vornehmen, die bis La Paz gehalten hat.

spannend war die fahrt vom Titikakasee nach La Paz nicht nur wegen meiner reparatur. die bauern hatten die strassen gesperrt, um gegen verschiedene preiserhoehungen zu demonstrieren. kilometerlang waren steine und glasscherben auf der fahrbahn verteilt. graeben waren gezogen und stacheldraht gespannt, fuer 160 km benoetigte ich 3 tage. hoffentlich werden die fotos etwas. DAS war ein erlebnis. spannend war es vor allem, wenn ich mich einer demonstration genaehert habe - ich wusste ja nicht, wie die campesinos auf einen schlangenlinienfahrenden touristen reagieren - meist ging allerdings alles glatt. nur gelegentlich reagierten die streikenden sauer. einer wollte sogar den blinker abreissen.

auch der besuch des Titikakasees war toll. ein jugendtraum ging in

erfuellung. vor allem war gut, dass ich fast alleine unterwegs war, da wegen der strassensperren keine bussse fahren konnten und zudem viele touris Bolivien umgingen

nun bin ich in Santiago de Chile. relaxe etwas,

wasche bike und klamotten und geniesse die annehmlichkeiten der grossstadt. da motorradteile hier sauteuer sind, werde ich versuchen, mir die teile aus Deutschland schicken zu lassen. bin mal gespannt, wie meine verhandlungen beim zoll laufen werden. dann geht es weiter nach Feuerland.

leider wird Ingrid nicht mitkommen koennen. sie hatte einen schweren

fahrradunfall und kommt wahrscheinlich nach Brasilien. vielleicht werde ich die tour auch unterbrechen und nach Deutschland fliegen.

Bis bald

Erwin - danke nochmals allen, die mir tips fuer die reparatur der BMW

gegeben haben. wer neuigkeiten aus algerien hat, bitte melden.

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