BY TIMO ROKITTA
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FOR INTERNATIONAL MOTORCYCLE ADVENTURERS @
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Schwefelhaltige DämPfe steigen empor. Erschöpft dippen wir die Fiiße in das 67 Grad heiße Wasser der 6)uellen von gx-les-Thermes. 1500 Kilometer Regenfahrt quer durch Frankreich liegen hinter uns - doch als nun endlich die ersten Sonnenstrahlen durch die tiefhängenden Wolken dringen, steigt die Vorfreude auf die vor uns liegenden Pvrenäen. Tausende Tour de France-Fans strömen uns entgegen, als wir die Grenze passieren. Die Namen ihrer Idole, die sie plakativ in die Kulven des Pas de la cas gepinselt haben, machen die Fahrbahn glatt und verlangen eine ausgesprochen vorsichtige Fahrweise.
In Andorra la Vella angekommen, erleben wir die Rush-Hour-Total. Wie in einem Ameisenhaufen wuseln die kauflustigen Südeuropäer durch das Einkaufsparadies zwischen Frankreich und Spanien. Mit mehreren Plastiktüten gleichzeitig behängt werden Zigaretten. Parfüm, Elektroartikøel und Spirituosen geordert. Da uns dieser Massenbetrieb nicht behagt, ziehen wir es vor, etwas außerhalb von la Vella eine Unterkunft zu suchen. Wenige Kilometer weiter finden wir in Saint Julia de Loria einen komfortablen Campingplatz, wobei es sich als sehr vorteilhaft erweist, daß das Rauschen des direkt angrenzenden Flußes Fgiu Valil a jeden Verkehrslärm übertönt. Wir lernen hier eine japanische Globetrotterin kennen, die gerade mit ihrer 125er Enduro 3 Monate lang Europa durchreist. Sie zeigt reges Interesse, die Berge Andorras zusammen mit uns zu erkunden. Am nächsten glorgen lassen uns weitausladende Serpentinen rasch an Höhe gewinnen und enden. wie so oft, in einem groBräumig angelegten Parkplatz. Hier begirlnt die Schotterpiste, die, vorbei an Pferde- und Kuhherden, zu dem Tunrlel de Rat führt. Von dem 2542 Meter hohen Ostportal aus versuchen wir den Durchbruch nach Frankreich, scheitern jedoch an riesigen Eisplatten und knietiefen Stuð`rzbächen. So treten wir den geordneten Rückzug an und widmen uns dem Port de Cabus - bei Sonnenuntergang ein wahres Eldorado fur Fotografen. Der Ausblick auf verträumte Pyrenäendörfer und das Panorama der Coma Pedrosa prägen sich uns unvergeßlich ein, so daß wir die Abfahrt nur sehr zögernd antreten.
Am Tag darauf verlassen wir Andorra, passieren die spanische Grenze lgnd schlagen uns weiter in nordwestlicher Richtung durch. Gerade auf den teilweise unbefestigten Nebenstraßen zeigt sich diese Gegend von ihren noch ursprünglichen Seite. Obwohl die Serpentinen der Bergstraßen nicht höher als 1600 Meteðær sind, machen die grau braunen Dörfer mit ihren r oten Schieferdächern einen gottverlassenen Eindruck. Oft existieren nicht einmal Schilder, um dem Fremden die Namen ger Orte mitzuteilen. Nach ca. 250 km erreichen wir Ainsa - eln ländliches Idyll vor wolkenlosem Himmel. Dieses mittelalterlich anmutende Städtchen lgidt glns abends ein, durch seihe engen, gepflasterten Gassen zu schlendern. Von der imposanten Stadtmauer aus betrachten wir die untergehende Sonne. die die Landschaft des Valle de Solana in ein oranges Lichtmeer taucht. Ein üppiges Menü zu später Stunde auf der Plaza central vertreibt mit seinen Knoblauchgeruch alle Insektenschwärme - fiir diese Nacht und auch die kommenden Tage.
Am nächsten Morgen starten wir mit etwas Schlafdefizit zu den Picos de Euroga. Über das Resewa nacional de Fuentes Carrionas, entlang der Stauseen Compuerto und Gamporredondo führt die Strecke vorbei an steil terrassierten Hängen und klettert schier endlos weiter. Nur hier und da sehen wir ein paar Natursteinhäuser. oft aber nur ihre leuchtend roten Dächer unter uns. Nach 4 Stunden Fahrt empfängt uns Valdano de Posoda, am Fuß der Picos gelegeng mit Nebel und Nieselregen. Auf der saftigen Wiese des Campingplatzes verbringen wir auf 1600m bei 8° C eine kalte Nacht. Doch allen Wetterfröschen sei Dank. Blinzelnd sehen wir in die Morgensonne, die zögernd hinter den Ber ggipfeln vervorkommt. Ohne Reise epäck begeben wir uns, eine tiefe Schlucht durchquerend, nach Cain, wobei diese Strecke unsere volle Aufmerksamkeit und fahrerisches Können abverlangt. Hupsignale vor ieder Kurve sind llnerläßlich, denn die wenigen Autofahrer sind ebenso von der grandiosen Trasse angetan, so daß sie den Gegenverkehr oft erst in letzter Sekunde wahrnehmen.
Jeder Tourenfahrer, der hier in den Picos de Europa unterwegs ist, sollte wenigstens einmal sein Motorrad in Cain abstellen und auf .Schusters Rappen das Tal des Rio Cares erkunden. Der tollkühn in den Fels gehauene Weg begleitet den Rio Cares zunächst auf gleicher Höhe. Der Wanderer durchschreitet zahlreiche Galerien und durchquert mehr ere feuchte und enge Tunnel. Ständig wird er dabei von einer Levada begleitet, die zuweilen hoch über ihm oder auch weit unter ihm verläuft. Der Rio Cares lädt des öfteren mit seinem kristallklaren. smaragdgrünen Wasser zu einem erfrischenden Fußbad ein. Diese Landschaft zieht uns so stark in ihren Bann, daß wir beschließen, am nächsten Morgen um 6.30 Uhr vom Puerte de San Gloria aus den Sonnenaufgang zu beobachten. Ein Geheimtip für Endurofans und Genießer: auf der Paßhöhe des Puerte de San Gloria folgen wir dem Hinweisschild Mirador de Llesba auf einer Schotterpiste. Nach dem Wendeplatz biegen wir links ab und durchqueren eine Senke. Von der nðÄun folgenden Anhöhe aus erreicht man nach 2 Minuten Fußmarsch eine Felsgruppe und ist iiberwältigt von dem Ausblick auf die Bergsilhouette und die sanft hüsgelige Landschaft davor. Er entschädigt reichlich die Strapazen der Auffahrt. Ein Wolfshund, der eine hier grasende Kuhherde bewacht, umkreist neugierig und aufgeregt die Motorräder. Offensichtlich kannte er bislang nur Kühe, Autos und Fahrräder, so daß ihm diese Spezies geradezu außerirdisch anmuten dürfte.
Nach soviel Landschaft und Abgeschiedenheit wollen wir auch unseren geistig-kulturellen Horizont erweitern und steuern von Conages aus Covadonga an. Eine kleine in den Fels¾ gebaute Kapelle erinnert an eine Marienerscheinung, die vor mehr als 1000 Jahren stattfand und heute noch zahlreiche Pilger anzieht. Covadonga war ein Zentrum der Fgeconquista, die zur Rückeroberung Spaniens führte und mit der Einnahme Granadas 1492 ihren Abschluß fand. Der obligatorische Glücksbrunnen, in dem Hunderte von Geldstücken funkeln, fehlt ebensowenig wie fgestaurants und zahlreiche Souvenirläderl. 12 Kilometer weiter in den Bergen gelegen sind die Seen Lago de Enol und Lago de la Ercina, einst Perlen im Picomassiv, zu riesigen Müllhalden verkommen. Viele der sogenannten Bergfreunde hinterlassen wahre Müllbersge auf dem saftigen Griin der umliegenden Wiesen und leider sind, wie schon des öfteren beobachtet, in vielen Teilen Spaniens Umwelt- und Naturschutz Fremdworte.
Vom Mirador de la Reina aus beobachten wir, wie der Nebel im Tal alle Strukturen verschlingt und nur die Bergspitzen übrig läßt. Anschließend folgen wir der Straße entlansg des Rio Poyag, die in der Michelinkarte als landschaftlich besonders schön ausgewiesen ist und gelangen nach ca. 20 Kilometern in das Dorf Sobrefoz. Außer freilaufenden Hühnern und in der Sonne dösenden StralBenkötern treffen wir hier überwiegend ältere Leute, die ihrer täglichen harten Arbeit nachgehen. Kaum haben wir aber unsere Maschinen auf dem Dorfplatz vor der kleinen Kirche abgestellt, werden wir von mehreren Kindern umringt, die uns ehrfürchtig bestaunen. Als wir unsere Landkarte auf dem Tank ausbreiten. tritt eine ältere Frau an uns heran und fragt in reinem Hochdeutsch, wohin wir wollen. Unser Vorhaben, zum Puente de Ventaniella zu fahren erstaunt sie, und sie entgegnet, daß es nach 8 Kilometern Naturstraße keine Möglichkeit mehr gebe, weiterzufahren. Wir bedanken uns höflich für diesen aufschlußreichen Tip und beschließen, uber Viego zurück zum Rio Sella zu fahren.
Eine Motorradtour zu den Picos de Europa lohnt sich also für den ambitionierten Tourenfahrer, nicht nur, weil er hier die Ruhe und Abgeschiedenheit findet, die er anderswo vergebens sucht; nein, es ist wohl auch gerade diese Mischung aus südländischem Flair, grandioser Berglandschaft und den überaus freundlichen Menschen in den kleinen Bergdörfern.
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